Die Kinder von Kitty beim Kartenspielen

WIE ALLES BEGANN

Im Juni 2015 lernte ich Mora kennen, einen jungen Mann aus Gambia. Er kam, wie so viele in dieser Zeit, um Asyl in Deutschland zu beantragen. Da ich damals daran interessiert war, in der Flüchtlingsarbeit (Sprachhilfe) ehrenamtlich tätig zu werden, begann ich, Mora auf seinem Weg der Integration zu begleiten. Dies umfasste Behördengänge, Sprachunterricht, Arbeitssuche.

Über die Jahre entstand eine freundschaftliche, vertrauensvolle Basis. Er wurde Teil unserer Familie und gleichzeitig wuchs unser Interesse an seinem Heimatland Gambia. Durch seine offene und interessierte Art gewann Mora darüber hinaus über die Jahre viele Freunde und Unterstützer.

Da sein Wunsch immer größer wurde, dass wir sein Land und seine Familie kennen lernen, ermunterte er uns, nach Gambia zu fliegen. Er bot uns an, in Kitty bei seiner Familie zu wohnen und Gambia ganz ursprünglich kennenzulernen.

Im Februar 2020 war es dann soweit. Mein Mann Klaus und ich, sowie ein weiterer sehr enger Freund von Mora, Dieter Kottler, flogen für knapp zwei Wochen nach Gambia. Für alle drei war es der erste Kontakt mit Afrika und eine uns völlig fremde Welt eröffnete sich. Moras Familie hieß uns mit großer Freude und Herzlichkeit willkommen, und wir erlebten eine wundervolle Zeit. Wir erlebten ein „back to the basics“ – erstaunlich mit welch einfachen Mitteln man zurecht kommen kann.

Wir lernten, dass die Uhren hier anders ticken als in Deutschland. Gegessen wird einfach wenn man hungrig ist. Und wenn wir ein Taxi auf 11.00 Uhr morgens bestellten, kam es oft erst nachmittags um 16.00 Uhr. Aber kein Problem, die Gelassenheit der Gambier färbte allmählich auf uns ab.

Zu den schönsten Erfahrungen gehörten die fröhlichen Kinder, die uns lachend umringten und wann auch immer eine Gelegenheit suchten, in unserer Nähe zu sein, um mit uns zu essen oder zu spielen. Schon morgens ertönte ein freudiges „Tubab“, wie sie die Weißen nennen. Sehr interessiert beobachteten sie, was wir taten, wie wir uns verhielten, was wir erzählten.

Wir besuchten auch eine Grundschule im Dorf und wurden sehr herzlich empfangen. Der Schulleiter nahm sich Zeit für uns und zeigte uns die Schule. Es fehlt an so vielem, angefangen von Schreibmaterial, Lehrmaterial bis hin zu Stühlen und Tischen. In diesen Momenten begannen wir  zu überlegen, wie wir diese Kinder unterstützen könnten und die Idee, ein Projekt in Kitty zu gründen war hiermit geboren.

Wieder in Deutschland vergingen noch Monate bis wir, der Freundeskreis von Mora, uns im Klaren waren, wie wir gemeinsam ein Projekt in Kitty starten könnten. Vor Ort, das wussten wir inzwischen, war eine gute Infrastruktur vorhanden (Haus, Garten und Leute, mit denen wir zusammenarbeiten könnten). 

Kinder im Primarschulalter, die Unterstützung beim Lernen sowie grundsätzliche Hilfe in Form von Mahlzeiten und Kleidung erhalten sollten, stehen bei dieser Projektidee im Fokus.

Im März 2021 gründeten wir unseren gemeinnützigen Verein „Bena Bena The Gambia e.V.“ mit 10 Vereinsmitgliedern. Schritt für Schritt, so die Übersetzung von Bena Bena in der Stammessprache Wolof, wurden die Pläne in Angriff genommen: 
Zunächst starteten wir mit einem Gartenprojekt, um zur Ernährung der Kinder beizutragen. Hierfür soll auch  der vorhandene Brunnen instandgesetzt werden. Per Container schickten wir Anfang April Gebrauchsgegenstände wie Kleidung, Lernmaterial, Spielsachen etc. nach Kitty. Inzwischen wurden vor Ort Bänke und ein großer Tisch von einem Schreiner gebaut. Eine Köchin und ein Lehrer waren bereits gefunden und seit Ende April 2021 findet nun regelmäßig der Unterricht statt. 

Viele kleine Schritte – „Bena Bena“, für ein besseres Leben der Kinder in Kitty. Das ist unsere Vision.

Marion Wiesler

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